In Dänemark isst jeder Mensch im Schnitt rund 1,5 Kilogramm Lakritz pro Jahr. In Deutschland sind es etwa 200 Gramm. Dieser Faktor sieben erklärt ziemlich gut, warum die spannendsten Lakritzprodukte nicht bei uns entstehen, sondern weiter nördlich und in den Niederlanden. Und er erklärt auch, warum viele Menschen die Kombination aus Lakritz und Schokolade erst im Urlaub kennenlernen, meist an einer Tankstelle in Jütland oder im Supermarkt in Helsinki.
Lakritz Schokolade ist längst keine Kuriosität mehr, sondern eine eigene Produktkategorie mit erkennbaren nationalen Handschriften. Die Dänen setzen auf Zartbitter und Salz, die Finnen auf weiße Schokolade und Salmiak, die Schweden auf Manufakturqualität. Die Holländer, ausgerechnet die größten Lakritzesser der Welt, halten sich bei der Schokolade dagegen erstaunlich zurück. Dieser Überblick sortiert, welche Sorten woher kommen und wofür sie sich eignen.
Warum Lakritz Schokolade geschmacklich funktioniert
Der Reiz liegt im Kontrast, aber nicht im plumpen. Süßholzextrakt bringt eine erdige, leicht bittere Note mit, die im Mund lange nachhängt. Schokolade dagegen schmilzt, legt sich als Fettfilm auf die Zunge und trägt Aromen weiter, als es eine reine Zuckerhülle könnte. Wenn das gut gemacht ist, mildert die Schokolade die Härte des Lakritz nicht ab, sondern verlängert sie. Der bittere Nachhall bleibt, wird aber weicher transportiert.
Besonders gut zeigt sich das bei salzigen Varianten. Salz verstärkt Süße und dämpft Bitterkeit gleichzeitig, deshalb funktioniert die Dreierkombination aus Zartbitter, Lakritz und Meersalz so verlässlich. Wer nicht bis zur nächsten Nordlandreise warten will, kann Lakritz Schokolade bestellen und sich die gängigen Sorten direkt nach Hause holen, statt sie im Koffer nach Hause zu tragen.
Ein Hinweis zur Menge, weil er selten irgendwo steht. Die EU empfiehlt maximal 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag, was etwa 50 Gramm Lakritz entspricht. Bei schokolierten Produkten ist der Lakritzanteil pro Stück niedriger als bei purem Salzlakritz, die Packung ist aber auch schneller leer. Wer regelmäßig größere Mengen isst, sollte das im Blick behalten, gerade bei hohem Blutdruck.
Dänemark: Zartbitter, Salz und die Gourmet-Wende
Dänemark ist das Land, in dem Lakritz vom Kinderbonbon zum Delikatessenprodukt aufgestiegen ist. Wer verstehen will, wie das passiert ist, kommt an einem Namen nicht vorbei.
Lakrids by Bülow und der Preis der Veredelung
Die Manufaktur wurde 2007 gegründet und hat die Kategorie neu definiert. Ihre Produkte tragen Buchstaben statt Namen. „A“ ist Lakritz in dunkler Schokolade mit Salz, „B“ kombiniert Passionsfrucht mit Schokolade, „D“ arbeitet mit weißer Schokolade, Karamell und Salz. Eine Dose mit 295 Gramm kostet in Dänemark zwischen 149 und 199 Kronen, also etwa 20 bis 27 Euro.
Das ist viel Geld für Süßigkeiten, und ob das Produkt den Preis rechtfertigt, hängt vom Anlass ab. Die Qualität stimmt, ein guter Teil des Aufpreises geht aber auf Design und Positionierung. Wer die Kombination erst kennenlernen will, muss nicht hier einsteigen, denn die günstigeren Alltagsprodukte zeigen denselben Effekt. Wer verschenkt, greift trotzdem gern zur Dose, weil sie im Regal etwas hermacht.
Klassiker aus dem Supermarktregal
Neben der Gourmet-Schiene gibt es die dänische Alltagsvariante. Ga-Jol existiert seit 1933 und ist in den blau-weißen Schachteln bis heute ein Standard, auch wenn dort die Pastille im Vordergrund steht und nicht die Schokolade. Toms führt mit der Pingvin-Reihe milde bis kräftige Sorten, teilweise schokoliert. Für den Einstieg sind diese Produkte besser geeignet als die Manufakturware, weil sie den Geschmack nicht überinszenieren.
Finnland, Schweden, Island: Salmiak trifft weiße Schokolade
Weiter nördlich verschiebt sich die Logik. Hier trifft Schokolade seltener auf mildes Süßlakritz und häufiger auf Salmiak, also auf Lakritz mit Ammoniumchlorid. Das ist kein sanfter Kontrast mehr, sondern ein deutlicher.
Die finnische Handschrift
Salzlakritz ist in Finnland heute die beliebteste Süßigkeit überhaupt, und Fazer ist die Marke, die man zuerst nennt. Der Hersteller führt unter anderem eine weiße Tafelschokolade mit Lakritzstückchen, die als Einstieg gut funktioniert, weil die weiße Schokolade die Salmiaknote abfedert. Wer es härter mag, findet Salmiak-Lollis mit Schokoladenüberzug oder schokolierte Salmiakbomben.
Interessant ist die Rolle der weißen Schokolade. Sie hat kaum Kakaobitterkeit, sondern liefert vor allem Milch und Zucker. Genau deshalb passt sie zu Salmiak besser als Zartbitter, wo zwei bittere Komponenten aufeinandertreffen und sich gegenseitig im Weg stehen.
Schwedische Manufakturen und die Extremvariante
Schweden liefert die handwerkliche Mittelschicht. Lakritsfabriken und Haupt Lakrits arbeiten mit klar deklarierten Zutaten und moderaten Süßungsgraden, La Praline kommt von der Pralinenseite und denkt Lakritz als Füllung. Am anderen Ende der Skala steht Haupts „Svenskjävlar“, das den Ammoniumchloridanteil deutlich über die üblichen 0,5 bis 1 Prozent hebt. Als Geschenk an Unerfahrene ist das eher ein Streich als eine Empfehlung.
Aus Island kommt mit Nói Síríus ein Hersteller, der Lakritz konsequent in Milchschokolade denkt. Die Produkte sind süßer angelegt als die skandinavische Konkurrenz und bei deutschen Einsteigern oft die Sorte, die als erste leer ist.
Holland: viel Drop, wenig Schokolade
Die Niederländer essen mit etwa 2 Kilogramm pro Kopf und Jahr mehr Lakritz als alle anderen, trotzdem spielt Schokolade dort eine kleinere Rolle. Der Grund liegt in der Produktkultur. Holländisches Drop lebt von Textur und Salzgrad, von zoete und zoute Varianten, von doppeltsalzigen Sorten, die man in Deutschland kaum findet. Eine Schokoladenhülle würde diese Unterschiede eher verdecken.
Diese Zurückhaltung hat einen zweiten Grund, der mit dem Konsumverhalten zu tun hat. Drop wird in den Niederlanden nicht als Dessert gegessen, sondern nebenbei, aus der Tüte, in größeren Mengen über den Tag verteilt. Eine Schokoladenhülle macht das unpraktisch, weil sie an den Fingern schmilzt und die Tüte verklebt. Skandinavische Schokoladenlakritze sind dagegen von Anfang an als Portionsprodukt gedacht, oft in Dosen, oft mit dem Anspruch, nach dem Essen serviert zu werden.
Wo Holland mitspielt, dann über Marken wie Venco, die schokolierte Varianten im Programm haben, ohne sie ins Zentrum zu stellen. Für den Einkauf heißt das: Wer Lakritz Schokolade sucht, wird in dänischen und finnischen Regalen fündiger. Wer reines Salzlakritz will, kauft holländisch.
Worauf man beim Kauf achten sollte
Die Zutatenliste verrät mehr als die Verpackung. Wenn dort Ammoniumchlorid oder E510 steht, handelt es sich um Salmiak, und das Produkt schmeckt deutlich salziger, als das Wort Lakritz vermuten lässt. Steht dagegen nur Süßholzextrakt oder Lakritzextrakt darauf, ist die Sorte mild. Diese eine Zeile erspart eine Menge Fehlkäufe, gerade bei Geschenken.
Bei der Schokolade lohnt der Blick auf den Kakaoanteil. Unter 50 Prozent bleibt bei Zartbitter wenig Bitterkeit übrig, die dem Lakritz etwas entgegensetzen könnte, und das Ergebnis wirkt flach. Zwischen 55 und 70 Prozent liegt der Bereich, in dem beide Komponenten zu schmecken sind. Über 80 Prozent kippt es meist ins Herbe, sofern kein Salz oder Karamell dagegenarbeitet.
Ein praktischer Punkt betrifft die Menge pro Packung. Lakritz Schokolade wird häufig in kleinen Dosen von 100 bis 300 Gramm verkauft, was den Kilopreis nach oben treibt. Wer mehrere Sorten testen will, fährt mit kleinen Einheiten trotzdem besser, weil angebrochene Packungen nach einigen Wochen Feuchtigkeit ziehen und das Lakritz darunter zäh wird.
Verkosten in der richtigen Reihenfolge
Der häufigste Fehler beim ersten Mal ist die Reihenfolge. Wer mit einer extrem salzigen Sorte anfängt, schmeckt danach eine halbe Stunde nichts anderes mehr, weil das Ammoniumchlorid die Zunge regelrecht betäubt. Sinnvoll ist der umgekehrte Weg, also von mild nach kräftig.
In der Praxis heißt das: erst milde dänische Sorten mit Zartbitter, dann Milchschokolade mit Lakritzstückchen, danach weiße Schokolade mit Salmiak, zuletzt die salzigen Extremvarianten. Zwischen den Sorten hilft ein Schluck stilles Wasser, keine Milch und kein Kaffee, weil beide eigene Aromen mitbringen und das Bild verfälschen.
Vier bis fünf Sorten pro Sitzung sind genug. Danach lässt die Unterscheidungsfähigkeit merklich nach, und die sechste Sorte schmeckt wie die fünfte. Wer eine größere Auswahl vor sich hat, verteilt sie besser auf mehrere Abende, statt alles auf einmal durchzuprobieren.
Häufige Fragen
Welche Schokolade passt zu welchem Lakritz?
Zartbitter passt zu mildem Süßlakritz, weil die Bitterkeit sich addiert, ohne zu dominieren. Weiße Schokolade und Milchschokolade passen zu Salmiak und salzigen Sorten, weil sie die Schärfe abpuffern. Zartbitter mit Salmiak ist die riskanteste Kombination und funktioniert nur bei guter Ausbalancierung.
Ist Lakritz Schokolade auch für Einsteiger geeignet?
Ja, sogar besser als pures Lakritz. Die Schokolade nimmt der Süßholznote die Kanten. Wer mit Salmiak noch nichts anfangen kann, sollte mit milden dänischen Sorten oder isländischer Milchschokolade beginnen und salzige Varianten später testen.
Wie lagert man schokolierte Lakritzprodukte richtig?
Kühl und trocken, aber nicht im Kühlschrank. Bei Kälte bildet Schokolade Fettreif und wird grau, bei Wärme über etwa 20 Grad wird das Lakritz darunter weich und klebt zusammen. Ein dunkler Schrank ist besser als jede Spezialbehandlung. Angebrochene Dosen halten wenige Wochen, danach zieht das Lakritz Feuchtigkeit.
Sind schokolierte Lakritzprodukte vegan erhältlich?
Teilweise. Zartbitterüberzüge sind häufiger vegan als Milch- oder weiße Schokolade, das Lakritz selbst enthält je nach Hersteller Gelatine. Wer darauf achtet, findet inzwischen gelatinefreie und vegane Varianten, muss aber die Zutatenliste lesen, weil die Kennzeichnung zwischen den Ländern abweicht.
Fazit
Die nationalen Unterschiede sind kein Marketing, sondern lassen sich schmecken. Dänemark hat Lakritz Schokolade zum Delikatessenprodukt gemacht und dabei auch die Preise mitgenommen. Finnland kombiniert Salmiak mit weißer Schokolade und liefert damit die spannendsten Kontraste. Schweden steht für Manufakturqualität, Island für die süße Einstiegsvariante, Holland für alles außer Schokolade.
Wer zum ersten Mal probiert, sollte nicht bei der teuersten Dose anfangen. Eine milde dänische Sorte und eine finnische mit weißer Schokolade reichen, um zu merken, in welche Richtung der eigene Geschmack geht. Alles Weitere ergibt sich daraus, und die Auswahl ist groß genug, um Jahre damit zu verbringen.
