
Der Junggesellenabschied markiert das Ende einer Ära – und zwar der des ledigen Mannes oder der ledigen Frau. Der beliebte Hochzeitsbrauch fungiert damit als eine Art Übergangsritus. Allerdings bedeutet er mehr als „ein letzter Abend in Freiheit“.
Zwar geht es im sogenannten JGA noch immer darum, sich auszuleben. Gleichzeitig sollen jedoch schöne und hochwertige Erinnerungen fürs Leben geschaffen werden.
Der JGA – die letzten Stunden als freier Mann oder freie Frau?
Eine solche oder ähnliche Szene kennen viele von uns sicherlich aus US-amerikanischen Filmen und Serien: Beim Junggesellenabschied bekommt der Bräutigam von seinen Freunden symbolisch eine Fußfessel angelegt.
Die Bedeutung dahinter: Die Ehe ähnele dem Leben im Gefängnis. Sie beschränke den Mann in seiner Freiheit.
Daher galt der JGA vor allem in den 1980er-Jahren als eine der letzten Möglichkeiten, sich abseits des Ehelebens „die Hörner abzustoßen“. So durfte der zukünftige Gatte noch einmal mit fremden Frauen flirten oder beim Alkoholgenuss über die Stränge schlagen. Und das mit mehr oder minder gesellschaftlicher Duldung.
Inzwischen hat sich dieser Hochzeitsbrauch jedoch gewandelt. Zwar handelt es sich noch immer um den symbolischen Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Jedoch geht es nicht länger darum, mit Überschwang einer vermeintlichen Freiheit hinterher zu trauern.
Vielmehr ist der Junggesellenabschied für Männer – und natürlich auch für Frauen – zu einem bedeutsamen Erlebnis mit Freunden geworden. Statt gezielt „die sprichwörtliche Sau herauszulassen“ sollen gemeinsame Erinnerungen geschaffen werden.
Dementsprechend ist der JGA längst kein Pauschalereignis mehr, sondern kann für ganz unterschiedliche Formen des Feierns stehen.
Ursprung und Geschichte des Junggesellenabschieds
In der Kulturwissenschaft ist der Junggesellenabschied nicht nur ein Übergangsritus, sondern ein sogenannter Markpunkt im Leben. Also ein markanter Lebenseinschnitt, der auf ein besonderes Ereignis – die Hochzeit – zusteuert.
Dabei entstammt die Idee, die Zeit vor der Ehe noch einmal zu zelebrieren, nicht etwa aus den vergangenen Jahrzehnten.
Bereits im antiken Griechenland soll es vor der Eheschließung Festlichkeiten gegeben haben. Allerdings ging es dabei weniger um ein letztes Ausleben von Braut und Bräutigam. Vielmehr wollten die Eltern der Braut die Würde ihres zukünftigen Schwiegersohns bewerten.
Im deutschsprachigen Raum kam im 19. Jahrhundert der Polterabend als Feierlichkeit am Abend vor der Hochzeit auf. Dieser findet heutzutage – wenn überhaupt – zusätzlich zum JGA statt. Denn beim Polterabend sind nicht nur die Freunde von Braut oder Bräutigam anwesend, sondern auch Familie und Nachbarn.
Bei diesem Brauch schlägt man traditionell nicht über die Stränge, sondern altes Geschirr auf den Boden. Das Zerschellen des Porzellans symbolisiert einerseits einen Neuanfang. Andererseits soll es durch den Lärm böse Geister vertreiben und dem Brautpaar damit Glück bringen.
Bräuche aus dem 19. Jahrhundert, die sich am ehesten mit dem Junggesellenabschied vergleichen lassen, sind die sogenannten „Stag Nights“ aus dem englischsprachigen Raum. Sie begannen als Herrenbankette, die der Vater für den Sohn ausrichtete, und entwickelten sich im Laufe der Zeit zu ausgelassenen Partys unter Freunden.
In seiner heute bekanntesten Form – den Partytouren – kam der Junggesellenabschied erst in den 1980er-Jahren nach Deutschland. Seither macht er jedoch einen stetigen Wandel durch.
Internationale Varianten: Wie andere Länder des JGA feiern
Den Übergang vom Junggesellendasein ins Eheleben feiert man heutzutage in vielen Regionen der Welt.
So finden in Großbritannien noch immer die „Stag Nights“ statt. Dabei steht die „Stag Party“, also Hirsch-Party, für einen klassischen Junggesellenabschied, bei dem sich der Bräutigam die „Hörner abstößt“. Das weibliche Äquivalent dazu ist die „Hen Night“, die Hennen-Nacht. In dieser feiert die Braut mit ihren Freundinnen das Ende ihrer Junggesellinnenzeit.
In den USA ist der JGA als „Bachelor Party“ oder „Bachelorette Party“ bekannt. Auch dabei feiert das Brautpaar in der Regel getrennt mit dem separaten Freundeskreis. Die australische Variante dieses Brauchs nennt sich „Bucks Night“.
Im deutschsprachigen Raum feiern Braut und Bräutigam den JGA ebenfalls meist getrennt, den späteren Polterabend jedoch zusammen.
Der Wandel der Erwartungen
In großen Städten gehörten Junggesellen- und Junggesellinnengruppen lange Zeit zum Stadtbild. Ob mit Bauchladen oder im lustigen Kostüm – Braut oder Bräutigam machten mit ihrem Freundeskreis Fußgängerpassagen, Parks und vor allem Kneipen unsicher.
Inzwischen geht der Trend jedoch weg von den sogenannten Partytouren. Stattdessen wünschen sich viele Brautpaare an ihrem JGA heute geplante Erlebnisse, die besser zu den individuellen Erwartungen passen.
Dazu können sowohl Ausflüge als auch besondere Events mit Freunden gehören.
Wichtig ist jedoch, dass der Junggesellenabschied keiner pauschalen Form folgt, sondern den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Daher spielen bei der Planung die Persönlichkeit von Braut oder Bräutigam sowie das Budget eine immer größere Rolle.
Warum klassische Bauchladen-Touren an Bedeutung verlieren
Sollen Braut oder Bräutigam in einem lustigen Kostüm Passanten ansprechen und diesen etwa einen Kuss verkaufen, klingt das zunächst witzig. Wer jedoch ständig von einer lauten und teils betrunkenen Gruppe von Männern oder Frauen angesprochen wird, fühlt sich schnell genervt.
Dieses Störgefühl ist mancherorts bereits so groß, dass etwa Restaurantbetreiber gegen ausschweifende JGAs vorgehen.
Auch viele zukünftige Eheleute fühlen sich inzwischen nicht mehr vom lauten und manchmal peinlichen Trubel angesprochen. Statt lauthals und vor allem öffentlich über die Stränge zu schlagen – und damit die Mitmenschen zu verärgern – wünschen sie sich zur Feier des Anlasses hochwertige Erlebnisse.
Dementsprechend kommen sogenannte Kneipen- und Bauchladen-Touren immer mehr aus der Mode. Vielmehr sind gemeinsame Aktivität gefragt, die Braut, Bräutigam und den Freunden in positiver Erinnerung bleiben.
Moderne Aktivitäten und Eventkonzepte
Welche Erlebnisse für einen unvergesslichen JGA infrage kommen, entscheiden dabei vorrangig die Interessen von Braut oder Bräutigam. Beliebt sind inzwischen vor allem Städtetrips oder entspannende Wellness-Angebote.
Auch Events, die die Sinne ansprechen, werden zunehmend von JGA-Gruppen gebucht, etwa:
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Verkostungen von Wein oder Whisky
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Back- oder Kochkurse
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Führungen durch Brauereien oder Sektkellereien
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Grillfeiern an besonderen Locations
Wer den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt besonders spannend gestalten möchte, kann den Junggesellenabschied auch in Escape Rooms oder während einer einfallsreichen Schnitzeljagd für Erwachsene feiern.
Das Angebot an Event-, Action- und Rätselkonzepten kennt dabei kaum Grenzen und kann individuell auf die Bedürfnisse einer JGA-Gruppe zugeschnitten werden. Wer etwa in Bayern den Junggesellen- oder Junggesellinnenabschied plant, findet über einen spezialisierten JGA München Anbieter passende Ideen für Gruppen, die statt einer Bauchladen-Tour lieber ein organisiertes Erlebnis suchen.
Der JGA ist geblieben, doch sein Charakter hat sich verändert
Obwohl sich der Junggesellenabschied im Wandel befindet, steht der Brauch noch immer bei vielen zukünftigen Ehepaaren hoch im Kurs. Allerdings geht der Trend sowohl bei Männern als auch bei Frauen weg von peinlichen Partytouren in der Öffentlichkeit.
Stattdessen stehen hochwertige und vor allem individuelle Events im Mittelpunkt, die schöne Erinnerungen schaffen. Wie erinnerungswürdig der JGA letztendlich ausfällt, hängt dabei vor allem von einer guten und durchdachten Planung ab.