Ordnung schaffen mit System: Ausmisten, Aufbewahren und Wohnraum neu denken

Ordnung schaffen mit System: Ausmisten, Aufbewahren und Wohnraum neu denken

Übervolle Keller, überquellende Schränke, Dachböden, die schon seit Jahren nicht mehr betreten wurden — so sieht es in vielen deutschen Haushalten aus. Laut einer Untersuchung der Universität Mannheim und Erhebungen des Statistischen Bundesamtes ist seit 1991 die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf von rund 34,9 auf über 47 Quadratmeter gestiegen. Gleichzeitig nimmt aber auch die Menge an Konsumgütern pro Haushalt zu. Der Effekt: Der gewonnene Platz wird sofort wieder durch Besitz aufgefüllt. Wer Ordnung schaffen will, braucht daher nicht so sehr Motivation wie ein tragfähiges System.

Warum Unordnung im Haushalt entsteht

Unordnung ist selten das Ergebnis von Bequemlichkeit, sondern meist von fehlender Struktur. Typische Ursachen sind Übergangssituationen wie ein Umzug, ein Familienzuwachs oder ein Jobwechsel, in denen kurzfristige Ablagen zur Dauerlösung werden. Hinzu kommen saisonale Gegenstände, Winterreifen, Skiausrüstung, Gartenmöbel, Kinderausrüstung, die über Monate ungenutzt bleiben und dennoch Fläche binden.

Nach Einschätzung von Lagerlöwe, einem Anbieter für Selfstorage am Standort Kiel, gehört die Unterschätzung des tatsächlichen Platzbedarfs zu den häufigsten Gründen, warum sich Haushalte irgendwann zwischen Aufstocken der Wohnfläche und externer Lagerung entscheiden müssen. Als grober Richtwert gelte, dass rund ein Kubikmeter Lagerraum ausreiche, um den Inhalt eines mittelgroßen Kleiderschranks aufzunehmen.

Ausmisten mit Methode: ein Vergleich

Verschiedene Ansätze haben sich in der Praxis etabliert. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Emotionalität und Ergebnis.

  • KonMari-Methode nach Marie Kondo: Kategorienweises Sortieren (Kleidung, Bücher, Papiere, Kleinkram, Erinnerungsstücke). Vorteil: klarer Ablauf. Nachteil: zeitintensiv, in großen Haushalten mehrere Wochen.
  • Minimalismus-Prinzip (Fumio Sasaki): Reduktion auf das Nötigste. Vorteil: dauerhaft niedriger Bestand. Nachteil: für Familien mit Kindern selten praktikabel.
  • Drei-Kisten-Methode: Behalten, Verschenken/Verkaufen, Entsorgen. Vorteil: pragmatisch, schnell umsetzbar. Nachteil: Gefahr, dass die Entscheidungen später revidiert werden.
  • 20/20-Regel: Wird ein Gegenstand seit 20 Monaten nicht genutzt und ließe sich für unter 20 Euro ersetzen, wird er abgegeben. Nützlich bei technischen Kleingeräten.
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Ein häufiger Fehler besteht darin, gleich zu Beginn Erinnerungsstücke zu sortieren. Fachliteratur zu Aufräumpsychologie empfiehlt, mit unemotionalen Kategorien wie Küchenschubladen oder Reinigungsmitteln zu starten, um Entscheidungsroutine aufzubauen.

Saisonale Aufbewahrung und externe Lagerräume

Nicht alles, was selten gebraucht wird, gehört entsorgt. Gerade in Norddeutschland sind Fahrräder, Segelausrüstung, Werkzeug und Gartenmöbel typische Gegenstände mit klarer Nutzungssaison. Hier stellt sich die Frage, ob Keller, Garage oder externer Lagerraum die bessere Option ist.

Kriterien für die Entscheidung:

  • Klima: Keller mit hoher Luftfeuchtigkeit (über 60 Prozent) sind für Textilien, Elektronik und Leder ungeeignet. Selfstorage-Einheiten sind meist klimatisch stabiler.
  • Zugang: Ein Lagerraum außer Haus lohnt sich vor allem, wenn er innerhalb von 15 bis 20 Minuten Fahrtzeit erreichbar ist.
  • Kosten: Gewerbliche Lagerflächen in mittelgroßen Städten kosten laut Branchenverband FEDESSA im Schnitt zwischen 20 und 35 Euro pro Quadratmeter und Monat, abhängig von Laufzeit und Größe.
  • Sicherheit: Anbieter mit Videoüberwachung, individuellen Zugangscodes und Einbruchmeldeanlage nach DIN EN 50131 bieten in der Regel höhere Standards als ein Privatkeller.

Für Bewohnerinnen und Bewohner in und um Kiel spielt zudem die Nähe zur Ostsee eine Rolle. Salzhaltige Luft und schwankende Luftfeuchtigkeit beschleunigen Korrosion an Metallteilen. Wer Werkzeuge, Fahrräder oder saisonale Fahrzeugteile einlagert, sollte auf trockene, temperierte Räume achten.

Dos und Don’ts beim Einlagern

Damit eingelagerte Gegenstände bei Wiederaufnahme unbeschädigt bleiben, haben sich einige Grundregeln bewährt.

Dos:

  • Möbel demontieren und Schrauben in beschrifteten Beuteln direkt am Bauteil befestigen.
  • Textilien vor dem Einlagern waschen und vollständig trocknen lassen, um Stockflecken zu vermeiden.
  • Elektronik in Originalverpackungen oder gepolsterten Kartons lagern, Akkus entnehmen.
  • Ein Inventarblatt anlegen, idealerweise digital, mit Fotos und Kartonnummern.
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Don’ts:

  • Keine Lebensmittel, brennbaren Flüssigkeiten oder Gasflaschen einlagern, das untersagen die meisten Lagerverträge und das Betriebssicherheitsrecht.
  • Kartons nicht direkt auf den Boden stellen, sondern auf Paletten oder Kanthölzern.
  • Empfindliche Materialien wie Leder oder Holz nicht in Plastikfolie einwickeln, da sich sonst Kondenswasser bildet.
  • Wertsachen nicht ohne separaten Versicherungsschutz einlagern, die Haftung des Lagerbetreibers ist gesetzlich begrenzt (§ 475 HGB).

Wer diese Punkte berücksichtigt, kann Wohnraum entlasten, ohne Besitz aufgeben zu müssen, den man später wieder benötigt. Ordnung wird so weniger zum Kraftakt und mehr zu einer Frage der Systematik.