Gereiztes Zahnfleisch ist eines der häufigsten Probleme im Mundraum. Etwa die Hälfte der jüngeren Erwachsenen und mehr als zwei Drittel aller 65 jährigen und älteren Menschen zeigen Hinweise auf eine Zahnfleischentzündung. Blutendes Zahnfleisch beim Zähneputzen, ziehende Schmerzen an freiliegenden Zahnhälsen oder ein leicht drückender Schmerz sind häufig Banalisierungen, setzen jedoch einen dauerhaften Reizzustand voraus. Die richtige Reaktion basiert auf drei Säulen: weniger Anpressdruck, geeignete Werkzeuge, geeignete Putztechnik.
Warnsignale für gereiztes Zahnfleisch
Unter gesundem Zahnfleisch versteht man ein blass rosafarbenes straffes, nicht blutendes beim Putzen oder Zahnseide benutzen. Von diesen Veränderungen bemerkt man zu Hause häufig:
- Rötung oder dunklere Verfärbungen im Bereich des Zahnfleischsaumes
- Schwellungen des Zahnfleisches mit Blutungen bei mechanischer Belastung
- Zurückgehendes Zahnfleisch mit freiliegenden Zahnhälsen
- Vermehrte Kälte- oder Süßempfindlichkeit
- Mundgeruch trotz regelmäßiger Zahnpflege
All diese Zeichen deuten häufig auf eine Gingivitis (oberflächliche Zahnfleischentzündung) hin. Bleibt diese unbehandelt, so kann sie in eine Parodontitis übergehen, bei der auch der Kieferknochen betroffen wird. Wer solche Beschwerden länger als zwei Wochen wahrnimmt, sollte seinen Zahnarzt konsultieren. Eine möglichst schonende Reinigung mit einer weichen Handbürste oder einer Ultraschallzahnbürste vermindert gleichzeitig den mechanischen Reiz und lockert den bakteriellen Biofilm.
Ursachen für empfindliches Zahnfleisch
Die Ursachen sind vielfältig und wirken häufig in Kombination.
Am häufigsten sind:
- Bakterieller Biofilm: Plaque, die nicht regelmäßig entfernt wird, verursacht die typische Reizung des Zahnfleischsaumes.
- Zu hoher Anpressdruck: Messungen zeigen, dass schon ein Putzdruck über 2 Newton am Zahnhals zur Schädigung führt und Rezessionen begünstigt.
- Falsche Putztechnik: Wer zu stark und horizontal schrubbt, schädigt den Zahnschmelz und verletzt das Weichgewebe.
- Hormonelle Veränderungen wie bei Schwangerschaft, Pubertät und Wechseljahren begünstigen eine erhöhte Sensibilität des Gewebes.
- Systemische Faktoren wie Diabetes, Rauchen, bestimmte Medikamente vermindern die Durchblutung und Wundheilung und begünstigen Gewebeschäden.
- Ernährungsmängel wie zu wenig Vitamin C und häufige Zufuhr von gesüßten Säften schädigen das Gewebe.
Zu Hause lässt sich jedoch keine Diagnose stellen. In der Zahnarztpraxis wird der Parodontalen Screening Index (PSI) erhoben, welcher die Schweregrade der Erkrankung beschreibt und die Basis für die individuelle Behandlung bildet.
Schonende Reinigungsverfahren im Vergleich
Nicht jede Bürste ist für gereiztes Zahnfleisch geeignet. Ein Vergleich der verbreiteten Technologien schafft hier Ordnung:
- Handzahnbürste (weich): günstig, überall einsetzbar, aber der Reinigungserfolg hängt bei dieser Technik vor allem von der eigenen Dickköpfigkeit ab. Die Bass-Methode gilt als empfohlener Standard. Nachteil: Der Anpressdruck ist nicht kontrollierbar.
- Vielfach überholte elektrische Rotationsbürste: Wirkt gegen Plaque effizienter als die Handbürste, wie mehrere Cochrane-Reviews zeigen. Bei empfindlichem Zahnfleisch droht mechanische Überforderung.
- Schallzahnbürste: Frequenz 250 bis 300 Hertz mit einer hydrodynamischen Wirkung durch Flüssigkeitsbewegungen. Gilt als schonender als Rotationsmodelle.
- Ultraschallmodelle: Frequenzen im Megahertz-Bereich. Reinigung geschieht nicht durch Reibung, sondern durch feinste Druckwellen, die den Biofilm auflösen. Könnte für gereiztes Zahnfleisch eine Wahl sein, weil die Bürstenbewegung selbst so klein bleibt.
Ergänzende Hilfsmittel sind Interdentalbürsten in passender Größe, Zahnseide, und bei starkem Anpressdruck ein Bürstenkopf mit Andruckkontrolle. Mundspülungen mit Chlorhexidin sind wirksam, sollten aber nur kurzfristig eingesetzt werden, da sie das orale Mikrobiom durcheinander bringen und Verfärbung bewirken.
Empfehlungen für den Alltag
Zur täglichen Pflege bei empfindlichem Zahnfleisch haben sich einige Grundsätze bewährt:
- Zwei Minuten Putzen, zweimal täglich mit konzentrierter Arbeit am Zahnfleischsaum
- Fluoridhaltige Zahnpaste mit einem RDA unter 70 zum Schonen des Zahnschmelzes
- Bürstenkopfwechsel alle acht bis zwölf Wochen oder bei sichtbarer Verformung der Borsten
- Regelmäßige professionelle Zahnreinigung, in vielen Fällen zwei Termine pro Jahr
- Kein Zähneputzen direkt nach dem Essen saure Speisen, 30 Minuten Pause sind empfohlen
Das Ganze wird durch den Lebensstil ergänzt. Rauchverzicht, gesunde Kost und Stressabbau wirken sich messbar auf den Zustand des Zahnfleischs aus. Entzündliche Bereiche heilen bei Nichtrauchenden nach klinischen Beobachtungen deutlich schneller aus als bei Rauchenden. Kombination aus schonender Technik, adäquaten Hilfsmitteln und stabiler Grundgesundheit bleibt der beste Schutz für ein kräftiges Zahnfleisch.
