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Gesundheit

Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer im Erwachsenenalter behandeln

Olav Brunssen
aktualisiert: 21. August 2026 08:03
Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer im Erwachsenenalter behandeln
Fehlstellungen von Zähnen und Kiefer im Erwachsenenalter behandeln

Ein Unterbiss liegt vor, wenn die unteren Schneidezähne beim Zusammenbeißen vor den oberen Schneidezähnen stehen. Dahinter kann eine Fehlstellung einzelner Zähne oder eine abweichende Lage der Kiefer stecken. Beide Formen sehen ähnlich aus, erfordern jedoch unterschiedliche Vorgehensweisen. Bei Erwachsenen über 25 Jahren ist das Wachstum der Kiefer abgeschlossen. Kieferorthopädische Maßnahmen bewegen deshalb vor allem die Zähne, während ausgeprägte Abweichungen der Kieferknochen einen chirurgischen Eingriff erfordern. Vor der Therapie muss geklärt werden, welche Bereiche betroffen sind und welche Veränderungen medizinisch erreichbar sind.

Kurzfassung

  • Ein Unterbiss kann durch falsch stehende Zähne, eine abweichende Kieferlage oder eine Verbindung beider Ursachen entstehen.
  • Mögliche Beschwerden betreffen das Abbeißen, die Kaubewegung, die Aussprache, die Kiefergelenke und die Belastung einzelner Zähne.
  • Durchsichtige Zahnschienen in Expertenhand eignen sich für vielfältige Befunde, bei denen sich die erforderliche Korrektur durch Zahnbewegungen erreichen lässt. Es ist oft möglich, die unteren Backenzähne nach hinten zu bewegen, um Stück für Stück alle Zähne im Unterkiefer zurückzuschieben und den Unterbiss zu korrigieren.
  • Bei stark ausgeprägten knöchernen Abweichungen kann eine Behandlung aus Kieferorthopädie und Kieferchirurgie notwendig sein.
  • Nach der aktiven Zahnkorrektur sichern Retainer oder Halteschienen die erreichte Zahnstellung.

Zahnfehlstellung und Kieferfehlstellung unterscheiden

Nicht jeder Unterbiss entsteht aus demselben Grund. In einigen Fällen stehen lediglich einzelne Zähne außerhalb ihrer vorgesehenen Position. Die Kiefer selbst weisen dann eine weitgehend normale Lage auf. Eine kieferorthopädische Behandlung konzentriert sich in solchen Situationen auf die Bewegung der Zähne.

Davon zu unterscheiden ist eine skelettale Fehlstellung. Hier betrifft die Abweichung die Lage oder Entwicklung der Kieferknochen. Der Unterkiefer kann stärker ausgeprägt sein, der Oberkiefer weiter zurückliegen oder beide Veränderungen treten gemeinsam auf. Da das Wachstum im Erwachsenenalter abgeschlossen ist, lassen sich die Kieferknochen nicht allein durch Zahnbewegungen verändern. Bereits diese Einordnung beeinflusst daher die weitere Behandlungsplanung.

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Verschiedene Ursachen führen zu einem ähnlichen Erscheinungsbild

Die Entstehung eines Unterbisses verläuft nicht nach einem einheitlichen Muster. Häufig besteht eine genetische Veranlagung, die das Wachstum von Ober- und Unterkiefer beeinflusst. Daneben können sich Entwicklungsstörungen während des Wachstums auf die spätere Kieferlage auswirken.

Auch die Zahnstellung verändert sich im Laufe der Zeit. Fehlende Zähne, Platzmangel oder bereits bestehende Fehlstellungen können dazu führen, dass sich benachbarte Zähne verschieben oder kippen. Von außen ähnelt sich das Erscheinungsbild häufig, obwohl unterschiedliche Ursachen vorliegen. Deswegen reicht eine Betrachtung der Frontzähne allein nicht aus, um den Befund einzuordnen.

Auswirkungen auf Kaufunktion und Zahnkontakte

Ein Unterbiss beeinflusst nicht ausschließlich das Aussehen der Zahnreihen. Treffen Ober- und Unterkiefer beim Zusammenbeißen nicht wie vorgesehen aufeinander, verändert sich die Verteilung der Kaukräfte. Einzelne Zähne können dadurch stärker belastet werden als andere.

Je nach Ausprägung fällt außerdem das Abbeißen fester Lebensmittel schwerer. Hinzu kommen Veränderungen der Zahnkontakte, die sich auf den Abrieb der Zahnoberflächen auswirken können. Manche Betroffene berichten zusätzlich über Beschwerden im Bereich der Kaumuskulatur oder der Kiefergelenke. Solche Symptome lassen sich jedoch nicht allein anhand der sichtbaren Zahnstellung beurteilen und werden deshalb im Rahmen der Diagnostik gesondert untersucht.

Grundlage jeder Behandlung bildet die Diagnostik

Vor Beginn einer Therapie werden die Zahnreihen, die Kieferlage und die Bisssituation umfassend untersucht. Neben der klinischen Untersuchung kommen Fotografien, digitale Scans sowie Röntgenaufnahmen zum Einsatz. Anhand dieser Unterlagen lassen sich Lagebeziehungen der Kiefer und die Stellung der einzelnen Zähne exakt vermessen.

Ergänzend beurteilt die Kieferorthopädie die Beweglichkeit des Unterkiefers sowie die Kontakte zwischen Ober- und Unterkiefer. Erst die Gesamtauswertung dieser Befunde zeigt, ob überwiegend Zahnbewegungen erforderlich sind oder ob zusätzlich die Lage der Kiefer berücksichtigt werden muss.

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Behandlungsplanung nach Art der Fehlstellung 

Zwischen einer dentalen und einer skelettalen Fehlstellung bestehen deutliche Unterschiede bei der Therapieplanung. Liegt überwiegend eine Zahnfehlstellung vor, können die Zähne kieferorthopädisch bewegt werden. Eine stark ausgeprägte Fehlstellung der Kieferknochen lässt sich dagegen nicht allein durch Zahnbewegungen ausgleichen. Dann beurteilt die Kieferorthopädie gemeinsam mit der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, ob ein operativer Eingriff Bestandteil der Behandlung sein sollte. 

Wie ausgeprägt eine skelettale Fehlstellung ist, liegt im Ermessen des beurteilenden Kieferorthopäden. Ein in der Aligner-Therapie erfahrener Kieferorthopäde kann die Situation dabei anders beurteilen als ein konventionell behandelnder Kieferorthopäde.

Aligner kommen nicht bei jeder Fehlstellung zum Einsatz

Transparente Zahnschienen, auch Aligner genannt, bewegen die Zähne schrittweise in die vorgesehene Position. Jede Schiene ist für einen bestimmten Behandlungsschritt gefertigt und verschiebt die Zähne nur um wenige Zehntelmillimeter. Zwischen den einzelnen Behandlungsschritten werden neue Schienen eingesetzt, die auf dem geplanten Therapieverlauf aufbauen.

Nicht jede Fehlstellung lässt sich jedoch ausschließlich mit Alignern korrigieren. Ob sich ein Unterbiss bei Erwachsenen ohne chirurgischen Eingriff lässt, hängt davon ab, wodurch die Fehlstellung verursacht wird. Liegt überwiegend eine Zahnfehlstellung oder moderate skelettale Fehlstellung vor, können kontrollierte Zahnbewegungen mit Alignern in Kombination mit Gummizügen oft ausreichen. Beruht der Unterbiss dagegen auf einer stark ausgeprägten Abweichung der Kieferknochen, stößt eine ausschließlich kieferorthopädische Behandlung an ihre Grenzen. Die diagnostischen Befunde bilden deshalb die Grundlage für die Wahl des geeigneten Therapieverfahrens. .

Festsitzende Apparaturen und kombinierte Behandlungen

Da umfangreiche Kieferfehlstellungen wie eine stark ausgeprägte skelettale Progenie (Unterbiss) erst nach Abschluss des Wachstums mithilfe einer kombinierten kieferorthopädischen-kieferchirurgischen Behandlung vorgenommen werden können, wird diese Art der Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse bezuschusst. Allerdings nur, wenn die Kieferorthopädie mit Brackets erfolgt.

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Die feste Spange (Brackets) bereitet die Zahnreihen zunächst auf die Operation vor. Nach dem chirurgischen Eingriff werden verbleibende Zahnbewegungen abgeschlossen, bis Ober- und Unterkiefer funktionell aufeinander abgestimmt sind. Danach folgt häufig eine weitere kieferorthopädische Phase, in der die Verzahnung fein eingestellt wird. 

Grundsätzlich ist eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Therapie auch mit Alignern denkbar, sie wird dann allerdings nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezuschusst.

Kontrolltermine sichern den Aligner-Therapieverlauf

Vor Beginn der Aligner-Therapie werden die geplanten Zahnbewegungen anhand digitaler Modelle vorbereitet. Während der Behandlung finden regelmäßige Kontrolltermine statt. Dabei wird überprüft, ob die Zähne den vorgesehenen Bewegungen folgen oder Anpassungen erforderlich sind.

Nach Abschluss der aktiven Zahnkorrektur schließt sich die Retentionsphase an. Nach Abschluss der aktiven Behandlung wirken weiterhin Kräfte von Lippen, Wangen, Zunge und Zahnhalteapparat auf die Zahnstellung. Ohne Retention können sich einzelne Zähne erneut verschieben. 

Fazit

Die Behandlung eines Unterbisses setzt eine genaue Unterscheidung zwischen Zahn- und Kieferfehlstellungen voraus. Oft kann erst nach der Auswertung klinischer Untersuchungen und bildgebender Verfahren beurteilt werden, welche Therapie medizinisch geeignet ist. Je nach Ausgangsbefund kommen unterschiedliche kieferorthopädische Maßnahmen oder eine Kombination mit kieferchirurgischen Eingriffen infrage. Wesentlich ist hierbei die Erfahrung des Kieferorthopäden, welche Behandlungsart in Betracht kommt. Auch nach Abschluss der aktiven Behandlung bleibt die Stabilisierung der erreichten Zahnstellung Bestandteil des gesamten Therapiekonzepts. 

 

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